Das braune Skapulier vom Berge Karmel

Das braune Skapulier
„Das braune Skapulier“

Das Skapulier besteht aus zwei Stückchen braunen Wollstoffes und wird – meist unsichtbar unter der Kleidung – mittels zweier Tragebändchen über die Schultern (lat. scapulae) getragen. Es deutet das braune Schulterkleid des Gewandes der Karmeliten an. Die Geschichte des braunen Skapuliers ist nämlich untrennbar mit der des Karmelitenordens verwoben. In dessen Anfangsschwierigkeiten flehte der Ordensgeneral, der hl. Simon Stock, die Gottesmutter an, dem Orden ein besonderes Zeichen ihres Schutzes zu gewähren. Daraufhin erschien sie ihm am 16. Juli 1251, überreichte ihm das Skapulier und sprach: „Mein Sohn, empfange dieses Skapulier deines Ordens; es ist das Zeichen der besonderen Vergünstigungen, die ich für dich und die Kinder des Karmel erlangt habe. Wer in diesem Gnadenkleide sterben wird, wird vor dem ewigen Feuer bewahrt bleiben. Es ist ein Zeichen des Heiles, ein Schutzkleid in Gefahren, das Unterpfand eines besonderen Friedens und besonderen Schutzes.“

Das Skapulier ist nicht allein den Mitgliedern des Karmelordens vorbehalten, sondern kann von jedem Gläubigen getragen werden. Schon zu Lebzeiten des hl. Simon Stock gründete sich eine Skapulierbruderschaft. Nicht weniger als 32 Päpste bereicherten die Bruderschaft mit Ablässen. Im 20. Jahrhundert gewann das Skapulier erneut an Bedeutung, als am 13. Oktober 1917 die hl. Jungfrau, bei ihrer letzten Erscheinung in Fatima, als Muttergottes vom Berge Karmel erschien.

Das Skapulier muß von einem Priester gesegnet und dem jeweiligen Kandidaten aufgelegt werden. Dem Träger des Skapuliers gilt die Zusage Mariens, daß sie denjenigen, der es bei seinem Tode trägt, vor der ewigen Verdammnis bewahren werde. Die Frage von Heil oder Verdammnis kann natürlich nicht vom Tragen eines Kleidungsstückes abhängen. Vielmehr muß man die Verheißung Mariens so verstehen: Durch die Auflegung und das Tragen des Skapuliers soll das Band der Liebe zwischen der Gottesmutter und dem Skapulierträger gestärkt werden. Er soll von nun an Maß nehmen an Mariens Gehorsam, an ihrer Liebe, ihrer Hingabe und ihrer Ergebenheit in den Willen Gottes. Im Gegenzug nimmt Maria ihn unter ihren besonderen Schutz und fühlt sich umso mehr für sein Heil mitverantwortlich. Falls der Träger jedoch irgendwann einmal in eine Todsünde fallen sollte, so dürfen wir hoffen, daß Maria durch ihre machtvolle Fürsprache ihm die notwendigen Gnaden erfleht und sein Herz so sehr anrührt, daß er zur rechten Zeit umkehrt und so doch noch das ewige Heil erlangt.

Die Gottesmutter verheißt aber noch einen zweiten Gnadenvorzug, das sog. Samstagsprivileg: Wer – über das Tragen des Skapuliers hinaus – noch weitere Bedingungen (siehe unten) erfüllt, den verspricht Maria am ersten Samstag nach seinem Tod aus dem Fegefeuer zu befreien. Nicht weniger als fünf Päpste haben ausdrücklich bekräftigt, daß dieses Gnadenprivileg gepredigt werden darf. Man kann es nicht hoch genug einschätzen, was es bedeutet, die Läuterung im Fegefeuer auf eine so kurze Zeit beschränkt zu bekommen. „Nichts Unreines darf in den Himmel eingehen“ (Apk 21, 27), heißt es in der Offenbarung des Johannes. Bis aber bei einem Verstorbenen die sog. zeitlichen Sündenstrafen abgebüßt sind, bedarf es oft einer sehr langen und schmerzhaften Läuterung. Die Gottesmutter verspricht diese Zeit der Läuterung abzukürzen.

Zur Erlangung dieses Samstagsprivilegs gilt es zwei Bedingungen zu erfüllen: Der Skapulierträger muß

1. sich der standesgemäßen Keuschheit befleißigen (d. h. Priester und Ordensleute, wie es dem geistlichen Stand entspricht, Eheleute, wie es sich für den Stand der christlichen Ehe geziemt und Ledige gemäß dem Stand der Unverheirateten) und

2. entweder täglich das sog. Marienoffizium beten oder sich am Mittwoch, Freitag und Samstag von Fleischspeisen enthalten oder – und dies kann man vergleichsweise leicht erfüllen – täglich den Rosenkranz beten.

Wohlgemerkt: Das Skapulier ist kein Gelübde. Wer es sich auflegen läßt, verpflichtet sich damit nicht dazu, diese Bedingungen zu erfüllen. Sie sind freiwillig und speziell für das oben beschriebene Samstagsprivileg erforderlich.

Vor der Auflegung des Skapuliers empfiehlt sich eine angemessene Zeit der geistlichen Vorbereitung, z. B. durch Gebet und das Lesen guter marianischer Bücher. Voraussetzung ist auch die Teilnahme an einem Vorbereitungstreffen.


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